Presseberichte
 

Selbstverteidigung ohne Fäuste
Neue Unterrichtsformen an der Merianschule - "Kido"-Kurs lief fünf Wochen

Neue Unterrichtsformen an der Merianschule: "Kido" nennt sich ein spezielles Konfliktbewältigungsprogramm, das zehn Jungen von der Schule zur individuellen Lebensbewältigung fünf Wochen lang besucht haben.

"Kido" setzt sich aus den beiden japanischen Wörtern "Ki" und "Do" zusammen und bedeutet übersetzt so viel wie "Energie-Weg". Das erklärte Ziel des generationsübergreifenden Kurs- und Schulungs-konzepts ist, individuelle Kräfte zu entdecken und zu trainieren.

Im Fall der Merianschule ist der Auftrag klar: Selbstverteidigung ohne Fäuste, vor allem aber Selbstbehauptung lernen. "Wir machen kein Kampfsportseminar, sondern eine Mischung zwischen Selbstverteidigung und No-Trouble-Training", erklärt Lehrerin Marga Schmidt, die sich von dem Projekt eine Entzerrung der Gewalt verspricht - innerhalb, gerade aber auch außerhalb der Schulmauern. "Viele unserer Schüler fühlen sich oft sehr schnell angegriffen - da ist es für sie wichtig, zu lernen, wie sie auf Provokationen reagieren und Situationen besser einschätzen können." Das Stichwort heißt Konfliktvermeidung - eines der Top-Themen in der Merianschule.

Das "Kido"-Programm, das die Jungen aus der Ober- und Werkstufe (für die Mädchen der Schule gab es ein vergleichbares Projekt mit dem Programm des Selbstverteidigungsvereins Aura für Mädchen und Frauen) fünf Wochen lang besuchten, ist hier nur ein unterrichtsbegleitender Baustein, eine andere Herangehensweise zum gleichen Thema. Ganz klar setzen Anke Werpel und Jürgen Berg, die beiden "Kido"-Trainer, auch auf Reflexion: "Wie wirkt es, wenn ich stark bin?"

So stehen in der Turnhalle der Hegelschule, die den Merianschülern für ihr Projekt zur Verfügung gestellt wurde, praktische Hilfen wie die "Handbefreiung" im Vordergrund: Wie kann ich mich blitzschnell losmachen, wenn mich jemand am Handgelenk gepackt hat? In der letzten Stunde will Anke Werpel von Sven, Matthias, Roland, Patrick, Stefan und den anderen wissen, wie es für sie war und was sie mit nach Hause nehmen. Die 13- bis 19-Jährigen sind durch die Bank begeistert: Der Kurs war ein Stück Lebenstraining, man hat viel gelernt.

aus: Nord-Anzeiger vom 09.04.2003
von: Stefan Gnad

 
 
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