Presseberichte
 

Dreitägiges "KIDO"-Seminar für Kinder zwischen acht und zwölf Jahren

"Die Selbstverteidigung beginnt im Kopf"
Ziel: Mehr Selbstbewusstsein in angstbesetzten Situationen - Abwehrstrategien gegen sexuellen Missbrauch

Schwabach (stt) – Die Begriffe kommen aus dem Japanischen. Ki und Do bedeuten "Energieweg". Auf ihn kann man sich ab Montag 17. April, bei der Volkshochschule Schwabach begeben, wenn die beiden Diplom-Sozialpädagogen Anke Werpel und Jürgen Berg ein dreitägiges Vormittags-Seminar beginnen: Ein Selbstsicherheits- und Selbstverteidigungskurs für Mädchen und Buben von acht bis zwölf Jahren. Anmeldungen sind ab sofort bei der VHS möglich. Das Tagblatt sprach mit den Kursleitern.

Judo kennt jeder. Was ist KIDO?

Jürgen Berg: KIDO ist ein von meiner Partnerin und mir entwickeltes Schulungskonzept für Kinder und Jugendliche. Ziel ist es, die Kids zu lehren, sich selbst zu behaupten sowie ihr Selbstvertrauen und ihre Sicherheit in angstbesetzten Situationen zu steigern. Junge Menschen sollen lernen, Gefahren bereits im Vorfeld zu erkennen, um im Ernstfall bis hin zur Anwendung realistischer Verteidigungsmaßnahmen richtig reagieren zu können.

Welche Situationen sind das?

Anke Werpel: Gewalt in der Schule, Jugendkriminalität und sexueller Mißbrauch sind Themen, die leider immer häufiger in die Schlagzeilen geraten. Gerade vor diesem Hintergrund ist es notwendig, junge Menschen im Umgang mit Angst und Gewalt zu schulen. Zum einen, um sich im Notfall behaupten und verteidigen zu können. Zum anderen, um zu lernen, Probleme möglichst gewaltfrei zu lösen. Zudem brauchen junge Menschen Erziehung und Erfahrungen in Gruppen. Dabei sollen sie möglichst viele Reaktionsmöglichkeiten und unterschiedliche Verhaltensweisen kennen lernen, um später im Alltag bestehen zu können. Mit dem KIDO-Programm versuchen wir dazu beizutragen.

Was lernen die Kinder konkret?

Jürgen Berg: KIDO hat zwei Seiten. Es ist ein Selbstsicherheitstraining ebenso wie ein Selbstverteidigungstraining. Zunächst geht es darum die Wahrnehmung zu schulen, damit man Gefahren besser erkennen kann. Dazu erklären wir beispielsweise, was sexueller Mißbrauch ist, was Angst ist und wie man mit ihr umgeht. Wir bringen den Kindern nahe, was ihre intime Zone ist und wann sie verletzt wird. Wir bestärken sie, sich auf ihre Gefühle zu verlassen und entsprechend zu handeln. Beim Bereich Selbstverteidigung erklären wir, dass es Situationen gibt, in denen man sich wehren muss. Als Techniken lernen die Kinder ausschließlich, wie man sich befreit und flüchtet, um Hilfe zu holen. Wirkungsvolle Selbstverteidigung beginnt im Kopf. Sie setzt in erster Linie geistige und verhaltensmäßige Schulung voraus.

Welche Methoden setzen Sie dazu ein?

Anke Werpel: Die einzelnen Einheiten des Kurses bauen themenbezogen aufeinander auf: Angst, Grenzen setzen, Gefahren erkennen, Bedeutung der Körpersprache, Gewalt, sexueller Mißbrauch: Was ist das, wann geht das los, wie schütze ich mich, wie verhalte ich mich, wenn es passiert. Dabei werden Videos und Musik eingesetzt, Rollenspiele und Phantasiereisen angewandt sowie Selbsterfahrungs- und Selbstbehauptungsübungen durchgeführt. Ebenso werden Entspannungs-, Meditations- und Konzentrationsübungen vermittelt.

Wie sehen Ihre Tipps für die Selbstverteidigung aus?

Anke Werpel: Bei der Selbstverteidigung machen wir beispielsweise Schreiübungen, weil schreien als Schock im richtigen Moment sehr wirkungsvoll sein kann. Unser Ansatz ist aber vor allem, den Kindern ein selbstbewußtes Auftreten zu vermitteln, weil sie dann weniger gefährdet sind. Untersuchungen zufolge ist nämlich erwiesen, dass sich die Täter ihre Opfer sehr genau aussuchen.

INTERVIEW: ROBERT SCHMITT

aus: Schwabacher Tageblatt, 24.02.2000

 
 
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