Gesellschaften
 

5. Kampfkunst als Methode in der Gruppenarbeit

5.1 Das KIDO-Projekt

Aus diesen gesammelten Erfahrungen im Einsatz der Kampfkunst Karate-Do als Angebot im Nachmittagsprogramm des intensiv-pädagogischen Bereichs und Erfahrungen als Trainer und Übungsleiter in diesem Bereich, wurde das KIDO-Projekt entwickelt. Dieses Projekt dient zur Gewaltprävention und verbindet modernste Methoden und Medien der sozialpädagogischen Gruppenarbeit mit Elementen aus Kampfkunstkonzepten. Zum einen werden Selbstsicherheits- und Selbstverteidigungskurse für Kinder ab 8 Jahren angeboten, mit dem Schwerpunkt Selbstbehauptung über Körpersprache und Verhaltensschulung und zum anderen wurde in Rummelsberg ein Anti-Gewalt-Training für aggressive, gewalttätige Jugendliche und junge Erwachsene ab 14 Jahren, installiert. Dieser soziale Trainingskurs beinhaltet in den dreistündigen themenzentrierten Einheiten, auch eine Stunde eines modifizierten Kampfkunstkonzeptes.

5.1.1 Die methodisch-didaktischen Grundideen des KIDO-Konzepts

Die gleichen Ideen, welche sich auch im Karate-Do-Projekt entwickelt und herauskristallisiert haben, finden noch differenzierter im Kursaufbau des KIDO-Konzepts ihre Anwendung und haben sich in der Arbeit sehr bewährt:

  1. Das ganzheitliche Lernen über Körper und Geist
  2. Das spielerische Lernen
  3. Das handlungs- und erlebnisorientierte Lernen
  4. Das soziale und gruppendynamische Lernen
  5. Das Lernen am Modell

Diese Grundideen bilden die Basis unserer Gruppenarbeit mit Kindern und Jugendlichen, lassen sich aber auch ohne weiteres auf die Erwachsenenbildung übertragen.

5.2 Kampfkunstelemente als Medium in der Jugendhilfe

Nach mehrjähriger Erfahrung in der Umsetzung von Kampfkunstkonzepten in der Kinder- und Jugendarbeit läßt sich ganz klar der pädagogische Nutzen bejahen und die negativen Befürchtungen bezüglich der Zunahme von Gewalt etc. zerstreuen. Im Gegenteil ist es ein sehr attraktives Medium mit dessen Hilfe, bei entsprechend fachlicher pädagogischer Aufbereitung, Aggressionen und Gewalt kanalisiert und gewalttätiges Verhalten hinterfragt und verändert werden kann.

Allgemein sind Elemente und Methoden aus den Kampfkünsten für die Entwicklung der Persönlichkeit, zur Charakterbildung, zur Verinnerlichung von Werten und nicht zuletzt zur Steigerung des Selbstwertes und Selbstvertrauens, gerade auch im Bereich der Arbeit mit schwierigen Kindern und Jugendlichen ein anziehendes Angebot um Kontakt- und Beziehungsfähigkeit aufzubauen und junge Menschen wieder zu erreichen.

Nicht nur Feldenkrais und andere Ärzte, Pädagogen, Psychologen haben sich von Techniken und Methoden aus den Kampfkünsten beeinflussen lassen, um eigene oft vermeintlich neue Methoden zu entwickeln und vorzustellen. Deshalb ist die Verbindung von pädagogisch-therapeutischen Ansätzen mit der Didaktik und Methodik aus den Kampfkünsten eigentlich gar kein außergewöhnlicher Vorgang, sondern aufgrund der Zielsetzung, nämlich der Förderung und Entwicklung einer positiven Gesamtpersönlichkeit mit oft ähnlichen Methoden, eher ein naheliegender Prozeß.

Gerade das hautnahe Lernen mit Körper und Geist ist die uralte Botschaft, die bis heute nichts an ihrer Gültigkeit verloren hat. Im Gegenteil ist diese, aufgrund der zunehmend visuellen und virtuellen Wirklichkeiten des Computerzeitalters, wo Erfahrungen und soziale Prozesse mehr und mehr im Sitzen und aus zweiter Hand erlebt werden, der Kern zukunftsweisender Pädagogik.

 
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